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Trauer · 9 Min.

Trauer: was sie ist, wie man sie erlebt, wann Hilfe nötig ist

Früher oder später erleben wir alle einen Trauerfall. Trauer ist universell und gehört zum Leben, doch das macht sie nicht leicht: Wer einen Menschen oder etwas Wichtiges verliert, leidet, sein Alltag gerät durcheinander, und manchmal verändert sich die Art, wie wir die Welt verstehen.

In diesem Artikel erläutert Mark Mesa Oostlander, Psychotherapeut bei Centro Elemental mit Erfahrung in der Krisenintervention, was Trauer ist, warum man sie besser nicht als Treppe aus Phasen betrachten sollte und wann es sinnvoll ist, sich Hilfe zu holen.

Was ist Trauer?

Trauer ist die normale Reaktion auf einen Verlust: der Prozess, in dem wir uns daran anpassen, dass etwas oder jemand, der uns wichtig war, nicht mehr da ist. Es gibt viele Definitionen, doch fast alle teilen drei Gedanken: Trauer ist eine Antwort auf ein schmerzliches Ereignis, sie beinhaltet einen Verlust und sie verlangt Anpassungsarbeit.

Meist verbinden wir sie mit dem Tod eines geliebten Menschen, aber Trauer gibt es auch, wenn eine Partnerschaft endet, wenn man die Arbeit oder die finanzielle Sicherheit verliert, wenn sich die Gesundheit verändert oder ein lang ersehntes Vorhaben zerplatzt. Was als Verlust erlebt wird, wird auch als Verlust verarbeitet.

Normale und komplizierte Trauer

In den meisten Fällen nimmt die Trauer ihren Lauf und löst sich mit der Zeit: Der Schmerz verschwindet nicht ganz, lässt aber Raum, um weiterzuleben. Man spricht dann von normaler oder unkomplizierter Trauer.

In anderen Fällen gerät der Prozess ins Stocken. Mark erklärt das mit dem Bild einer schlecht verheilten Wunde: Von außen wirkt sie geschlossen, innen aber ist sie noch entzündet. Es kann so aussehen, als sei die Trauer überwunden, und zwei, drei oder vier Jahre später bricht das Leid wieder hervor. Manche Menschen kommen mit einem Leiden in die Praxis, dessen Ursprung sie nicht kennen, und wenn man dem Faden folgt, zeigt sich ein Verlust, der nicht verarbeitet werden konnte.

Die diagnostischen Handbücher führen heute die anhaltende Trauerstörung für Fälle, in denen die intensive Sehnsucht nach der verstorbenen Person oder die ständige gedankliche Beschäftigung mit ihr lange bestehen bleibt und das Leben erheblich beeinträchtigt: Die ICD-11 spricht von mindestens sechs Monaten nach dem Verlust, das DSM-5-TR von mindestens zwölf Monaten bei Erwachsenen. Das sind Orientierungswerte für Fachleute, keine Uhr, an der man den eigenen Schmerz messen sollte.

Wie lange dauert Trauer?

Das ist eine der häufigsten Fragen. Eine „richtige“ Dauer gibt es nicht: Sie hängt davon ab, wen man verloren hat, von den Umständen des Verlusts, von der Bindung, die bestand, von der Unterstützung, die jeder Mensch hat, und von seinen Ressourcen im Umgang mit Problemen. Viele Autorinnen und Autoren verorten eine übliche Trauer zwischen sechs Monaten und zwei Jahren, doch man sollte hier keine Norm setzen: Wer sich mit einer Frist vergleicht, fügt einem ohnehin schweren Prozess oft noch Schuldgefühle hinzu.

Warum sprechen wir nicht von „Phasen“ der Trauer?

Die Vorstellung, dass Trauer in Phasen verläuft, wurde durch die Psychiaterin Elisabeth Kübler-Ross bekannt, die auf Grundlage ihrer Arbeit mit Menschen am Lebensende fünf Phasen beschrieb (Nicht-wahrhaben-Wollen, Zorn, Verhandeln, Depression und Akzeptanz). Andere Autoren haben noch mehr Phasen vorgeschlagen.

Das Problem am Denken in Phasen ist, dass es den Prozess als linear und automatisch darstellt, als genüge es, abzuwarten, bis sie vorüber sind. In der Praxis funktioniert das nicht so: Man kommt voran und fällt wieder zurück, Gefühle vermischen sich, und jeder Mensch geht den Weg auf seine eigene Weise.

Die vier Traueraufgaben nach William Worden

Marks liebste Beschreibung stammt von dem Psychologen William Worden, der statt von Phasen von Aufgaben spricht. Sie müssen weder der Reihe nach noch einzeln erfüllt werden: Sie können sich überschneiden und gleichzeitig bearbeitet werden.

  • Die Realität des Verlusts akzeptieren. Annehmen, dass er endgültig und unumkehrbar ist, nicht nur mit dem Kopf, sondern auch emotional.
  • Den Schmerz verarbeiten. Sich erlauben, Traurigkeit, Wut oder Schuld zu fühlen, statt sie zu überdecken, und darüber sprechen können.
  • Sich an eine Welt ohne die Person oder ohne das Verlorene anpassen. Äußerlich, indem man Rollen und Aufgaben übernimmt, die vorher jemand anderes erfüllte; innerlich, indem man überprüft, wie man sich selbst sieht; und auch im Hinblick auf den Sinn des Lebens, denn ein Verlust kann verändern, was wir für wichtig halten.
  • Der Bindung einen neuen Platz geben und weiterleben. Es geht nicht darum, zu vergessen oder sich für immer zu verabschieden, sondern darum, für diesen Menschen einen Platz in uns zu finden, der es erlaubt, weiterzugehen.

In diesem Sinne schlug der narrative Therapeut Michael White vor, dem Menschen, den wir verloren haben, „wieder Hallo zu sagen“: Statt die Beziehung abzubrechen, sie in eine Gegenwart zu verwandeln, die uns begleitet.

Wann ist es sinnvoll, Hilfe zu suchen?

Ein Psychologe kann sowohl bei komplizierter Trauer als auch bei einer Trauer helfen, die ihren normalen Verlauf nimmt. Einige Anzeichen dafür, dass es ein guter Zeitpunkt für eine Beratung sein könnte:

  • Es ist viel Zeit vergangen, und der Schmerz ist unverändert stark oder nimmt zu.
  • Es fällt Ihnen schwer, bei der Arbeit, zu Hause oder in Ihren Beziehungen zu funktionieren.
  • Sie meiden alles, was Sie an den Verlust erinnert, oder können an nichts anderes denken.
  • Sie empfinden Schuld, Wut oder Leere und wissen nicht, wie Sie damit umgehen sollen.
  • Es treten Schlafprobleme, Angst oder ein Unwohlsein auf, dessen Ursprung Sie nicht kennen.
  • Die Belastung ist schlicht so groß, dass Sie das nicht allein durchstehen möchten.

Sich Begleitung zu suchen, bedeutet nicht, dass die Trauer „schlecht läuft“. Viele Menschen verarbeiten sie gut und wünschen sich einfach jemanden, der sie in einer sehr schweren Zeit orientiert und begleitet.

Wie wir bei Centro Elemental mit Trauer arbeiten

Wir arbeiten auf der Grundlage der systemischen Kurzzeittherapie: Wir betrachten den Verlust im Leben des jeweiligen Menschen, seiner Familie und seiner Beziehungen und stützen uns auf die Ressourcen, die er bereits hat. Wir vereinbaren konkrete Ziele und überprüfen sie gemeinsam. Die Sitzungen finden in unserer Praxis im Soho-Viertel von Málaga oder per Videoanruf statt und dauern etwa eine Stunde (80 €). Weitere Informationen unter Einzeltherapie und Online-Therapie (beide Seiten gibt es auch auf Deutsch).

Wenn Sie Mark diese Gedanken selbst erklären hören möchten, können Sie sich sein Video zum Thema Trauer ansehen.

Wenn Sie sich in einer Gefahrensituation befinden oder jemand in Ihrem Umfeld, rufen Sie in Spanien die 112 oder die Línea 024 an, die Hotline bei suizidalen Krisen.

Weiterführende Literatur

  • Worden, J. W. Beratung und Therapie in Trauerfällen. Spanische Ausgabe: Paidós.
  • Kübler-Ross, E. (1969). On Death and Dying. Macmillan.
  • White, M. (1988). „Saying hullo again: the incorporation of the lost relationship in the resolution of grief“. Dulwich Centre Newsletter.
  • Weltgesundheitsorganisation. ICD-11, 6B42 Anhaltende Trauerstörung.
  • American Psychiatric Association (2022). DSM-5-TR: anhaltende Trauerstörung.

Inhalt geprüft von Alberto Moreno Gámez, Gesundheitspsychologe, Kammer-Nr. AO-5524 · 17. Oktober 2026